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Literaturtipp |
Daniel Anker: Gipfelziele im Tessin Der Sentiero ist auch das Ziel. Zwischen Gotthard und Chiasso von Gipfel zu Gipfel, von Hütte zu Hütte, von Ort zu Ort: 66 Wanderungen von geröllbedeckten Dreitausendern zu palmengesäumten Seeufern. Hoch oben in der Val Verzasca Steinhütten bestaunen und in Badewannen planschen, über einen alten Walserpass nach Bosco Gurin wandern und Luganos Hausberge auf neuen Routen erklimmen - "Gipfelziele im Tessin" bietet umfassende Informationen für Touren abseits der ausgetretenen Pfade. Auch die Einführungstexte und Farbbilder werfen ein neues Licht auf die Sonnenstube der Schweiz. Ein Rucksackführer für Trekkings und Tagestouren, für Gipfelstürmer und Stubenhocker. Zur Rezension... |
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La Lupa ist anders. Wenn die in Zürich lebende Tessinerin italienische
Lieder oder Gedichte singt, taucht sie in die Ozeane der Gefühle
ein - und mit ihr das Publikum. Was heisst singen: La Lupa erleidet die
melancholisch-tragischen Texte. Dann trägt ihr Vortrag Brecht'sche
Züge. Doch wo echter Witz vor (fast) nichts haltmacht, darf Tragik
komisch werden, Frivolität ergreifend. Dort hat - wie im wirklichen
Leben - überschäumende Lebenslust neben stiller Trauer Platz,
einladende Weiblichkeit neben ernster Zurückhaltung. La Lupa präsentiert
aber keine Show, sie ist eine.
La Lupas beeindruckende Bühnenpräsenz ist von entwaffnender
Natürlichkeit. So bestimmt auch nicht die ausgeklügelte Dramaturgie
Ablauf und Gestik. Das Leben selbst, La Lupas ureigene Lebensfreude wie
ihre Leidensfähigkeit machen die Darbietung zur Schau. Und wo das
Leben so spielt, spielt auch La Lupa: in Theatern, in Gärten, Schlössern,
Museen und Sälen, auf Plätzen, auf Terrassen, Dächern und
Schiffen. Die Texte singt La Lupa in ihrer Muttersprache. Und wer kein
Italienisch versteht - versteht trotzdem.
La Lupa ist eben wirklich anders. Weitere
Informationen...
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Giovanni Orelli: Der lange Winter
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Dem heutigen Tessinurlauber, der seine Wege aus der Magadino-Ebene, aus Locarno
oder Bellinzona in die stillen Bergtäler bequem und vollklimatisiert mit
dem Auto zurücklegt, erscheinen die grauen, zusammengeduckten Ansiedlungen
mit ihren weiß umrandeten Fensteröffnungen vermutlich als romantisch,
natürlich, ursprünglich - mit dem Duft der guten alten Zeit behaftet.
Die Umwälzungen des 20. Jahrhunderts sind auch über die Südalpen
hinweggegangen und haben - bis auf die scheinbar unversehrten Dörfchen keinen
Stein auf dem anderen gelassen, was Kultur, Lebensart, Sprache und Traditionen
angeht.
Für den interessierten Reisenden halten schweizer Verlage, allen voran
der Züricher Limmatverlag eine
Reihe von O-Tönen aus den Tälern bereit, die aus dem Leben vor dem
zweiten Weltkrieg berichten, wenn man denn zuhören mag. Denn natürlich
war das Überleben in den zugigen Hütten von den Erträgen kargen
Weidelandes alles andere als heimelig und lauschig, was dem Stolz seiner kauzigen
und oft starrsinnigen Bewohner keinen Abbruch tut. Kauzig und starrsinnig sind
sie auch heute noch, man liebt sie aber umso mehr, wenn man versteht, warum.
Giovanni Orellis erster Roman "Der lange Winter" wurde 1964, noch
als Manuskript, mit dem Veillon-Preis ausgezeichnet und machte den Tessiner
Autor mit einem Schlag bekannt. In ruhiger, unprätentiöser, dabei
pointiert formulierter und klarer Sprache beschwört er eine Momentaufnahme
eines kleinen Dorfes im Bedrettotal - seiner Heimat - herauf und zieht den Leser
bereits mit den ersten Absätzen in die Dorfgemeinschaft hinein. Die angesichts
bereits vollzogener Entvölkerung - von über 400 Menschen leben nur
noch um die 40 im Dorf - bereits spürbare Zeitenwende kulminiert in einer
unheimlichen Bedrohung der Ansiedlung durch gewaltige Schneemassen.
Der Schnee und die drohende Lawinengefahr lassen im wahrsten Sinne die Realität
in einem anderen Licht erscheinen. Mit jeder Lage Neuschnee wird die Isolation
greifbarer und die Dorfgemeinschaft wird - metaphorisch wie ganz real - auf
Ihre Existenzgrundlagen zurückgeworfen. Der Jahrhundertwinter hebt diese
auf und so wird hier in wenigen Wochen ein Prozess metaphorisch auf die Spitze
getrieben, dem sich so oder ähnlich alle Bergdörfer der Südalpen
stellen mußten. Zunehmende Industrialisierung, Tourismus und der Wunsch
nach gesicherten und weniger entbehrungsreichen Lebensbedingungen veranlassen
eine Landflucht, die rasch zur Entvölkerung ganzer Regionen führt.
Auch die Bewohner müssen entscheiden, ob sie im Dorf bleiben wollen oder
ob sie ins sichere Tal ziehen. Voran gehen die Jungen, voller Neugier auf das
Neue.
Orellis wunderschönes Buch zeugt von einer vergangenen Welt hinter den
Fassaden heutiger Ferienhäuser und Pensionen und ist so ein zeitgeschichtlich
ungemein wichtiges Dokument. Darüber hinaus und viel mehr noch ist es aber
eine Metapher auf die Grundlagen menschlichen Zusammenseins, die Auseinandersetzung
mit gesellschaftlichen Veränderungen in der Moderne und ein phantastisch
beobachtetes kleines Werk über eine von der Umwelt abgeschlossene Gemeinschaft,
die - auf sich gestellt und durchaus basisdemokratisch - über das wo und
wie ihrer Zukunft entscheiden muss. Und dabei gar nicht entscheiden kann, die
Veränderungen sind stärker als das Dorf.
Ein einfühlsamer Roman, den ich jedem ans Herz legen möchte, der
sich für die Alltagskultur und die Lebensumstände der alten Tessiner
interessiert. Eigentlich für jeden Urlauber. Sofern er keinen Marco-Polo-Reiseführer
vom Lago Maggiore besitzt.
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